Gerda Boyesen: Ihr Leben und ihre therapeutische Arbeit


Freud hatte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Energie vegetativer Strömungen postuliert, konnte sich aber mit seinen Bemühungen nicht allzu weit vom allgemeinen Zeitgeist – dem viktorianische Zeitalter – entfernen  und diese Theorie nicht weiterverfolgen. Reich, ein jahrelanger Musterschüler Freud`s, bis er dann andere Wege ging, postulierte 1936 die charakteranalytische Vegetotherapie. Das war der erste Versuch auf dem Weg, Körperpsychotherapie zu entwickeln.
Der Reichschüler Alexander Lowen entwickelte Reich`s Theorien zur Bioenergetik weiter.
Ola Raknes, der ein lebenslanger enger Freund und Schüler von Reich war, entwickelte die orgonomische Vegetotherapie. Er ging hierbei von Reich`s Entdeckung der Orgon – Energie aus, die je nach Kulturkreis auch universelle Energie, Chi oder Prana genannt wird.


...über Gerda Boyesen (2007)

Gerda Boyesen (1922 – 2005) war Psychologin und  Physiotherapeutin in Norwegen. Sie war in Analyse und zur Ausbildung bei Ola Raknes. Wichtige Impulse seiner Arbeit sind in ihre biodynamische Sichtweise eingeflossen.
Ihre Physiotherapie- und Massageausbildung erhielt Gerda Boyesen bei Aadel Bülow-Hansen. Ihre Arbeit mit den chronischen Verspannungen des Muskelpanzers und ihre Provozierung der vegetativen Entladung hatten einen grossen Einfluss auf die therapeutische Entwicklung der biodynamischen Therapiemethode. Seit 1970 lebte Gerda Boyesen in London und gründete dort zunächst das Gerda Boyesen Institute. Sie begann,  ihre Methoden zu lehren und  praktizierte später in allen westeuropäischen Ländern sowie in Amerika. Sie war zweimal verheiratet und hat drei erwachsene Kinder aus ihrer ersten Ehe, zwei Töchter und einen Sohn. Alle drei Kinder sind ebenfalls bekannte BiodynamikerInnen. Gerda Boyesen selber hat ihre Arbeit und Forschungen aus der Synthese entwickelt zwischen ihrem Hochschulstudium der Psychologie, ihrer Physiotherapie – Ausbildung bei Aadel Bülow – Hansen, der Arbeit mit ihren PatientInnen, ihrem Leben als Mutter dreier Kinder und vor allem ihrem eigenen therapeutischen Prozess bei Ola Raknes, Aadel Bülow – Hansen und Dr. Houge. 

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Ihr Hintergrundwissen und ihre eben erwähnten Erfahrungen, und vor allem ihre grosse Verbundenheit mit sich selbst und ihren Gefühlen, ihre sehr gut entwickelte Intuition haben ihr ermöglicht, diese grossartige Arbeit zu leisten: Die Biodynamische Psychologie zu entwickeln als einzigartige sanfte Therapieform und sie lehrbar zu machen. 
Wer Gerda Boyesen je erlebt hat, weiss, dass sie nie versucht hat, den schützenden Widerstand ihrer Klientinnen zu brechen; sie hat diesen immer respektiert. –  Sie wusste und respektierte immer, dass viele von uns aufgebauten Widerstände zwar heute im Leben hinderlich sind, während sie uns in der Kindheit jedoch unter Umständen zum emotionalen Ueberleben dienten.
Gerda hat immer auf ihre liebende, spielerische und unwiderstehliche Art versucht, die heute hinderlichen Widerstände ihrer KlientInnen sanft „mit dem Föhn zu schmelzen“, anstatt mit Provokation und Spitzhacke daran zu gehen. 
Als ein Schmelzen versteht sie ihre therapeutische Arbeit, durch das die kaum mehr spürbare Primärpersönlichkeit (s.u.), der lebendige, noch nicht eingeschränkte Wesenskern, das wahre Selbst des Menschen, wieder zum Vorschein kommen kann.