Einführung in die Biodynamische Psychologie

 

Die Biodynamische Psychologie wurde von der norwegischen Psychologin und Physiotherapeutin Gerda Boyesen begründet. Den Hintergrund ihrer Arbeit bilden die Freudsche Psychoanalyse, die Tiefenpsychologie von C.G. Jung, die Forschungen im energetischen und körpertherapeutischen Bereich von Wilhelm Reich, sowie die physiotherapeutischen Methoden von Aadel Bülow-Hansen.
Gerda Boyesen geht davon aus, dass der Mensch eine Einheit bestehend aus Körper, Seele und Geist ist. Die Lebensenergie („bio“ heisst Leben, „Dynamik“ bedeutet Kraft) ist die Energie, die uns körperlich, emotional und geistig belebt und uns das Gefühl der Ganzheit vermittelt.

Ein Mensch, der mit seiner Lebensenergie verbunden ist -  oder mit seinem Libido-Fluss, wie Gerda Boyesen sagt , ist auch der Mensch, der sich selbst lieben kann und diese Liebe in sich selbst spüren kann. Dieser Mensch ist auch in Liebe mit den Mitmenschen und mit seinem persönlichen Werdegang, seinem Schicksal verbunden. Er ist relativ unabhängig von der Zustimmung oder Ablehnung der Aussenwelt.

Ein Baby kommt normalerweise mit seinem eigenen Energiekreislauf zur Welt. Mit dem Gefühl einer tiefen inneren Verbundenheit, einem auf eine gewisse Weise lustvollen energetischem Strömen, „der ozeanischen Welle“. Dieses Strömen ermöglicht dem Baby einen Zustand tiefen Glücks und innerer Zufriedenheit.
Sind wir verbunden mit diesem energetischen Strömen, können wir uns auf Dauer glücklich fühlen. Wir können immer wieder mit dem eigenen Libidofluss in Kontakt kommen, mit dem energetischen „Fliessen“, das uns ein wohliges, rundes und ganzheitliches Gefühl gibt; ein Gefühl des Lebendigseins und der Sicherheit, in uns selbst zu ruhen.  In diesem Zustand sind wir in unserer  Mitte, und wir nehmen alle unsere Gefühle, Impulse und Ideen als richtig und wichtig wahr. Wir können uns damit auch anderen Menschen zeigen und zu uns und unseren Gefühlen, zu unserer Meinung stehen. In diesem Seinszustand sind  wir in der Lage, alle Erlebnisse, Gefühle und Schicksalsschläge zu verdauen. Wer so mit sich verbunden ist, kann alle Gefühle von Freude über Liebe und Lust, aber auch Gefühle wie Schmerz, Trauer oder Wut durchleben, ohne sie abspalten oder verdrängen oder z.B. durch Fernsehsucht,  Fresssucht, Alkohol- oder Medikamentenkonsum zudecken zu müssen. – Wir sprechen von einer gereiften Persönlichkeit.  In der Biodynamik sagen wir, dass wir mit unserer Primärpersönlichkeit verbunden sind, unsere Primärpersönlichkeit leben. Wir leben so, wie wir von der Existenz gemeint sind.
Gerda Boyesen sagt: „Die Liebesenergie, die Herzenergie, die Energie in jeder Zelle, im Genitalbereich, die kosmische Energie im ganzen Körper – all` das ist das Gleiche und wir können darin die tiefe Zugehörigkeit zur Natur erkennen.“ (Boyesen, 1985, 126)
Sie sagt weiter: „Die kosmische Energie, die jede Zelle durchströmt, fliesst auch zu anderen und wird auch von anderen empfangen. ... Der Mensch erlebt die aufregendsten Abenteuer in den alltäglichsten Dingen. ... Diese Menschen stehen ständig mit sich und ihrer Umwelt in Verbindung, ohne sie zu stören. – Sie gehen ihren eigenen Lebensweg und respektieren den Lebensweg ihrer Mitmenschen. „ (Boyesen, 1985, 122 f.)
Dies ist vielleicht für viele von uns ein Idealbild. Wir alle sind irgendwo auf dem Weg; manchmal in Begegnung mit der Intensität von Gefühlen, die wir auch tragen können, wenn wir mit uns selbst verbunden sind, manchmal sehr weit weg von uns im Aussen.

Wer den Kontakt zu diesem Libido-Fluss durch mangelnde Liebe, Unverständnis der Eltern, durch verschiedenste Defizite in der Kindheit und im Leben verloren hat, lebt in ständiger Abhängigkeit von anderen Menschen; er hat den Kontakt zur Liebe in sich selbst verloren und kann nicht wirklich aus dem Herzen lieben. Er kann nicht Geben und Nehmen, ohne immer im  Voraus über die Folgen nachzudenken.
Wir alle haben Strategien, Charakterhaltungen entwickelt, um zu überleben, die spürbar sind in unserer Art zu sein, in unserer körperlichen Haltung, den Verspannungen, psychosomatischen und somatischen Symptomen und in den Problemen, mit denen wir uns auseinandersetzen. Das bezeichnet Gerda Boyesen als Sekundärpersönlichkeit.

Die Sekundärpersönlichkeit oder die neurotische Persönlichkeit ist nicht im Fluss, nicht in der Mitte und spürt sich, seine Energie und demzufolge seine Gefühle und die Gefühle der Mitmenschen nicht oder schlecht. Wir können dann Situationen und Gegebenheiten oft nicht richtig einschätzen. Diverse körperliche Blockaden als Folge von emotionaler Deprivation aus der Kindheit und Stress ergeben den Charakterpanzer. Wir tragen diverse Masken, sind wenig konfliktfähig und oft nicht voll in der Lage, Verantwortung für unser Tun und Handeln zu übernehmen. In diesem Zustand sind wir abhängig von der Liebe anderer; wir sind korrumpierbar, bestechlich und benötigen die Energie unserer Mitmenschen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Wir saugen Energie von anderen Menschen ab und bringen sie damit aus ihrer Mitte.

Im letzten Lebensabschnitt, im Lebensabend,  kann es vorkommen, dass die Motivation noch einmal sehr wächst, alten Ballast aus der Kindheit und aus dem Leben abzuwerfen, körperliche und seelische Panzer zu transformieren und wichtige Schritte zu tun in der seelischen Befreiung, auf dem Weg zum Jetzt. Es ist das Bedürfnis aufzuräumen mit alten Konflikten und Lebensumständen, um Frieden zu schliessen mit sich und der Umwelt. Nicht zuletzt auch, um sich in Frieden zu verabschieden, um in Frieden gehen zu können

Der Fluss der Lebensenergie und die Verbindung mit der eigenen Mitte kann also durch unverarbeitete Kindheitserlebnisse, darauffolgenden Stress in späteren Lebensjahren oder durch Traumata unterbrochen  sein. Oder mit anderen Worten: Unsere Energie bleibt auf einer bestimmten Ebene des vasomotorischen Zyklus (siehe unten) hängen. Jemand, der sich als Kind ständig in bedrohlichen Situationen befunden hat, wird sich später im Leben ständig in einem energetisch aktiviertem Zustand befinden; aus Angst vor Bedrohung ist er ständig auf Kampf oder Flucht eingestellt, im Dauerstress und ohne die Fähigkeit, sich wirklich regenerieren  zu können. Gerda Boyesen spricht hier vom neurotischen Krieger. Das kann dazu führen, dass wir uns mit der Zeit müde und energielos fühlen, ausgelaugt sind oder sich psychosomatische und körperliche Beschwerden einstellen.
Viele Menschen spüren sich nicht mehr, fühlen sich leer, finden den Sinn im Leben nicht oder nicht mehr. Und wem die Sinnfrage während seiner Schaffensperiode noch nicht begegnet ist, den wird sie wohl im Alter einholen, wenn genügend Zeit ist, so dass diese Fragen kommen können.

Die von Gerda Boyesen begründete Biodynamische Psychologie ist eine sanfte Arbeit, die das Einmalige im Menschen ehrt und den Menschen einlädt, sich behutsam den Empfindungen seines Inneren, von Körper und Seele zu öffnen. Die Gerda Boyesen - Methoden unterstützen und fördern die Selbstheilungskraft, die Selbstregulation, die jedem Organismus innewohnende natürliche Intelligenz zur Selbstheilung. – Die Selbstregulation ist die Fähigkeit des Organismus, sich spontan von negativen Gefühlen, Stress oder auch von traumatischen Erlebnissen zu entladen.
Indem biodynamische Therapeutinnen Menschen darin unterstützen, mit sich selber in Verbindung zu kommen, sich im tiefsten Inneren zu spüren, kann ein Gefühl der Autonomie bewahrt werden, selbst im Krankheits- oder Pflegefall. Und mit dieser Verbundenheit oder anders ausgedrückt: einem wohligen Spüren des eigenen Körpers, der eigenen Befindlichkeit, der eigenen Gefühle, der eigenen Seele – steigt die Lebensfreude, die Freude an kleinen alltäglichen Dingen ganz entscheidend.

 
Biodynamische Behandlungen und Biorelease - Behandlungen
 

Die biodynamischen Behandlungen unterstützen Menschen darin, sich so zu lieben und zu akzeptieren, wie sie sind.  Im besten Fall unterstützen sie Menschen so zu werden, wie sie von der Existenz gemeint sind.

Ziel der Biodynamischen Therapie ist es, die Selbstheilungskräfte des Menschen zu stärken, das Gefühl des Lebendigseins, der Lebensfreude, des Optimismus, des mit sich selbst verbunden seins zu vertiefen.
Die biodynamische Körpertherapeutin unterstützt den Menschen, sein eigenes Potential, seine ureigenen Möglichkeiten im Leben auszuschöpfen und zu verwirklichen.
Biodynamische Körperarbeit und Biorelease – Massagen  helfen, unabgeschlossene energetische Kreisläufe, vasomotorische Zyklen zu vollenden, damit die Lebensenergie wieder fliessen kann und wir unsere Lebendigkeit besser spüren können.
Biodynamische Entspannungsbehandlungen und energetische Massagen können auch auf rein nonverbalem Wege helfen, Unverdautes zu verdauen, zu integrieren und die Verbindung zu sich selbst wieder zu stärken oder wieder herzustellen. Gerda  Boyesen hat schon vor vielen Jahrzehnten das sogenannte „Darmgehirn“ entdeckt. Sie hat entdeckt, dass der Darm bei Weitem nicht nur Essen verdaut, sondern auch unverarbeitete Konflikte und Neurosen. Deshalb kann über den Darm auch nonverbal viel belastendes Material abgebaut werden.
Als Feedback – Methode und zur Unterstützung der Intuition der Therapeutin hat Gerda Boyesen die Arbeit mit der Psychoperistaltik (Entladung toxischer Überreste von emotionalem und seelischen Stress über die Verdauung) entwickelt. Konkret heisst das, dass die Darmgeräusche während der therapeutischen Behandlungen und Massagen über ein Stethoskop auf dem Bauch des / der  KlientIn mitgehört werden können.
 

Die Biodynamik arbeitet nicht mit Druck, sondern arbeitet sanft und respektiert die Widerstände; sie schafft über ein sowohl körperliches wie auch seelisches „Halten“ einen Boden, auf dem die Energie durch Spüren von Vertrauen und Angenommen werden wieder in Fluss kommen kann. Die Atmung, die sehr direkt mit einbezogen wird, die Arbeit mit der Darmperistaltik sowie eine Vielzahl von Berührungs- und Massagetechniken haben eine energetisch und psychisch integrierende und regulierende, heilende Wirkung. Die biodynamische Therapeutin arbeitet - wenn sie mit Massagen arbeitet - auf vielen verschiedenen Ebenen: Auf der Ebene des Energiefeldes des Körpers, der Hautebene, der Bindegewebsebene, der Knochenhautebene. Dies, je nach Situation und der individuellen Situation des Menschen. Manchmal geht es schlicht um die therapeutische Präsenz. 

Im Allgemeinen ist die Biodynamik für alle Menschen geeignet, die tiefer entspannen möchten, wieder mehr in Kontakt mit ihrer Energie und ihren Gefühlen kommen wollen und an psychosomatischen Beschwerden und Stresssymptomen (Ängsten, Rücken-,  Periodenbeschwerden, Kopfschmerzen usw.) leiden.

Die körpertherapeutischen Gerda Boyesen – Methoden sind geeignet für prozessorientierte Aufarbeitung von Konflikten, Lebens- und Beziehungsfragen aus der Kindheit und aus dem Jetzt. - Für eine biodynamische Therapie können Beweggründe Müdigkeit und Depressionen, Schwäche- und Unzulänglichkeitsgefühle sowie energetische oder  psychische Probleme im Allgemeinen sein.

Die energetischen Massagen und die Biorelease - Arbeit beinhalten Methoden zur Stressreduktion, der Entspannung, der Steigerung der Selbstwahrnehmung und beugen der Neurosenbildung vor. Biorelease – Methoden unterstützen den Spannungsabbau und fördern die Lebensfreude, sind aber keine Psychotherapie. (Aber sie können durchaus therapeutisch wirken.)